Sind Sie langfristig innovativ?

Von Sara Doucette / Wazoku, übersetzt von Anna Caterina Krupp / ISS Software GmbH

Das aktuelle Streben nach Agilität treibt Unternehmen und Marken zu kurzfristigem Denken und Unmittelbarkeit, aber wie lange ist dieses System nachhaltig? Alles ist schnelllebig, kleiner und immer flüchtiger, was unserer immer kleiner werdenden Aufmerksamkeitsspanne nicht wirklich hilft. Aus diesem Grund fällt es den Unternehmen immer schwerer, die Aufmerksamkeit der Verbraucher zu gewinnen. Meaningful Brands hat einige interessante Informationen darüber:

„(….) in vielen Fällen ist die Verbindung zwischen Marken und Konsumenten entweder schwach oder unterbrochen. Eine der wichtigsten Ergebnisse war, dass es der Mehrheit der Menschen in Europa egal wäre, wenn 93 Prozent der Marken vom Markt verschwinden würden.“

Das ist kaum verwunderlich, wenn wir an unsere eigene persönliche Erfahrung denken – für wie viele Marken interessieren wir uns eigentlich? Oder sogar: Für wie viele Marken haben wir Zeit, uns für sie zu interessieren?

Seit einiger Zeit hören wir von Bewegungen, die versuchen, gegen den Strom zu gehen – Slow Food und Slow Management sind nur zwei Beispiele. Viele von uns versuchen, sich zu drosseln, da sie erkennen, dass dieser kurzfristige Wandel die größte Bedrohung für die Zukunft eines Unternehmens sein kann.

Martin Lipton, Gründungspartner von Wachtell, Lipton, Rosen & Katz, spezialisiert auf Fusionen und Übernahmen, sagt dazu:

„Die Auswirkungen des Kurzzeitverhaltens schaden der Gesamtwirtschaft. Ein Unternehmen, das langfristig investiert, wird mehr in die zukünftige Produktivität investieren – sei es in die Entwicklung lebensrettender Medikamente, den Bau oder Kauf neuer, effizienterer Maschinen oder die Finanzierung von Schulungen für seine Mitarbeiter. Alle diese Investitionen werden sofort als Aufwand in der Bilanz erfasst und reduzieren den Gewinn im laufenden Quartal, erhöhen aber die zukünftige Produktivität des Unternehmens. Die Förderung eines anhaltenden kurzfristigen Fokus senkt die zukünftige Produktion, reduziert die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und verringert die künftige Arbeitsproduktivität und die damit verbundenen höheren Löhne.“

Einige Organisationen unternehmen bereits Schritte in diese Richtung: Google ist an der Long Now Foundation beteiligt, einer Organisation, die daran interessiert ist, langfristiges Denken zu fördern. Evernote nennt sich selbst das 100-jährige Start-up. Dies sind nur einige Beispiele für das so genannte „Kathedralendenken“ – ein Begriff, der nach der Vision geprägt wurde, die die alten mittelalterlichen Dombauer hatten, um langfristig etwas zu bauen, auch wenn sie wussten, dass sie seine Vollendung nicht sehen würden. Dies ist die Art von Mentalität, die notwendig ist, um unsterbliche Marken aufzubauen, die sinnvoll sind, die Bestand haben und den Wunsch des Verbrauchers nach Langlebigkeit befriedigen.

Es ist jetzt wichtig, langfristig zu denken und nicht nur für den nächsten Monat oder das nächste Jahr zu planen. Stattdessen sollten Sie eine gesunde Vision davon haben, was Ihre Organisation in der Zukunft sein soll. Hören Sie auf die Verbraucher, aber auch auf Ihre Partner – wer weiß, ob sie die Idee haben werden, Ihre Vision in die Zukunft zu tragen? Innovation ist ein Prozess, der Zeit und Mühe erfordert. Sie müssen bereit sein, in Ihre Organisation zu investieren, wenn Sie die richtigen Entscheidungen treffen wollen, die Ihr Unternehmen in das nächste Jahrhundert führen werden – auch wenn Sie selbst es nicht sehen werden.